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Wildcampen in Kanada

Wenn du wie wir vorhast in einem (Camper-)Van durch Kanda zu reisen ist ein Punkt der allerwichtigste: der Schlafplatz. 

 

Nachdem wir nun mehrere Monate durch Kanda und die USA gereist sind und davon 90 % der Zeit in unserem Campervan geschlafen haben möchte ich dir nun einige Tipps und Erfahrungen weitergeben. 

 

Als erstes ist die Differenzierung zwischen RV („recreation vehicle“, also Wohnwagen), Hook-up (Anhänger), Van und Campervan ziemlich wichtig. Auf vielen Parkplätzen ist es nämlich grundsätzlich verboten RV‘s zu parken, daher würde ich dir raten deine Reise auf jeden Fall mit einem umgebauten (Mini-)Van anzutreten. Hier ist das parken um einiges einfacher und es ist weniger auffällig. Außerdem haben wir das Gefühl, dass bei Minivans eher ein Auge zugedrückt wird als bei Wohnwagen und co. In Manhattan Beach haben wir beispielsweise problemlos in einer Straße in einem Wohngebiet geschlafen. Theoretisch kannst du mit einem Campervan (vor allem wenn du wie wir das Nationalmodell Dodge Grand Caravan als fahrbaren Untersatz gewählt hast) überall unauffällig parken. Ein Kennzeichen aus einer anderen Provinz (wir haben ein Kennzeichen aus Ontario) könnte möglicherweise etwas auffallen, wir wurden jedoch bis jetzt nur ein Mal, und zwar in der Stadt Banff, gebeten wegzufahren. Ich empfehle dir wenn du überwiegend in British Columbia und Alberta reisen möchtest dein Auto auch hier zu kaufen und anzumelden. Aus welchen weiteren Gründen das sinnvoll ist und einige wertvolle Tipps zu dem Thema kannst du hier in meinem Wie kaufe ich ein Auto in Kanada Blog nachlesen. 

 

Viele Walmart Filialen erlauben das „overnight parking“ von Fahrzeugen auf ihren Parkplätzen. Vor einigen Jahren hat das Unternehmen sogar eingeklagt, dass das „overnight parking“ weiterhin erlaubt bleit. Allerdings gibt es, vor allem in größeren Städten wie Calgary oder Toronto, auch Filialen die Schilder nicht nur mit Verboten, sondern auch mit der Androhung, dass du ein „Ticket“, also einen Strafzettel, bekommen kannst oder sogar auf eigene Kosten abgeschleppt wirst, an den Parkplätzen angebracht haben. Auf solchen Parkplätzen musst du etwas vorsichtig sein, denn es kann tatsächlich dazu kommen. Andererseits haben wir auch schon auf solchen Parkplätzen geschlafen und dabei sogar RV‘s getroffen die schon längere Zeit dort parken. Hier musst du also abwägen. 

 

Je nach Provinz oder Territorium gibt es außerdem in Kanada unterschiedliche Regeln und Gesetze zum „Wildcampen“ oder auch „Boondocking“. Während wir in Québec, den Nord West Territorien und Ontario relativ selten auf Verbotsschilder getroffen sind wimmelt es in Alberta und British Columbia nur davon. Man kann aber auch hier nicht pauschal sagen, dass es unmöglich ist in einem Minivan irgendwo zu übernachten. Wir haben zum Beispiel mehr als eine Woche in Jasper, Alberta trotz geltendem Wildcamperverbot und etlichen Verbotsschildern an den Ortseingängen wildgecampt. Dabei waren wir übrigens auch bei Weitem nicht die Einzigen, wir haben jeden Tag bestimmt mindestens 10 weitere Wildcamper gesehen. Vermutlich handelt es sich bei diesem Wildcamperverbot auch ein Stück weit um eine Grauzone, denn der Tourismus in Kanada lebt nun einmal davon. In diesen Provinzen musst du dich darauf einstellen, dass es hier in der Nähe von großen und touristischen Städten etwas dauern kann bis du einen kostenlosen Schlafplatz gefunden hast.

 

British Columbia hat zwar ebenfalls tausende Verbotsschilder, wenn man allerdings ein paar Tricks kennt kann das Wildcampen hier einfach, kostenlos und wunderschön sein, denn BC ist die einzige Provinz die eine Reihe kostenfreier Campingplätze eingerichtet hat. Diese nennen sich „Recreation Sites and Trails“ und du findest hier eine Liste aller Plätze. Wenn du früh dran bist (und damit meine ich früh, nach 14 Uhr kann es mitunter schwierig werden) kannst du dir nicht nur einen Platz sichern, sondern dir sogar den schönsten aussuchen. Hier bekommst du nicht nur einen schönen und geräumigen Parkplatz zum übernachten, sondern in der Regel auch eine Picknickbank, eine Feuerstelle und eine Toilette (mach dir hier nur bitte keine Illusionen, in Kanada wie auch in den USA gibt es in der Regel keine Toiletten mit Spülkasten, sondern nur Plumpsklos, sogar in den Nationalparks). Diese Plätze zu finden und zu erreichen ist jedoch manchmal nicht ganz ohne, denn die Straßen sind in den meisten Fällen nicht asphaltiert, sondern lediglich Schotterwege. Daran wirst du dich allerdings in British Columbia und Alberta gewöhnen müssen. Außerdem liegen diese Plätze grundsätzlich fernab von großen Städten und Straßen und es ist nicht unüblich, dass man dort keinen Handyempfang hat. 

 

Neben den Recreation Sites gibt es aber auch staatliche „Provincial Parks“ (www.bcparks.ca). Die Nutzung dieser Parks ist kostenfrei, allerdings gilt das nur für Parks die eine „Day Use Area“ haben. Wenn du hier auf einem Campingplatz übernachten möchtest musst du die entsprechende Gebühr hierfür zahlen. Das Campen in Provincial Parks ist verhältnismäßig günstig (ca. $12,00-25,00). Wenn die Parks gut ausgestattet sind, beispielsweise mit Duschen und überdachten Sitzmöglichkeiten, kosten die Campingplätze hier schon etwas mehr pro Nacht (ca. $20,00-35,00). In den meisten Fällen musst du hier sogar einen Platz reservieren, denn die Plätze in den Provincial Parks sind vor allem in der Hauptsaison von Juni bis September bereits morgens voll belegt. Wildcampen ist in den Provincial Parks leider verboten. 

 

Um diese Plätze unterwegs und ohne Internet zu finden empfehle ich dir dringend zwei Apps: Maps.me und Wikicamps. Beide Apps funktionieren offline und orten deinen Standort, sodass dir die Recreation Sites, wenn du danach suchst, angezeigt werden. Maps.me gibt dir Koordinaten an die du dann in HEREWeGo kopieren und dich direkt zu der Site navigieren lassen kannst. Für mich sind beide Apps nicht mehr wegzudenken, da du hier alles findest. Während Wikicamps dir Angaben darüber gibt, welche Annehmlichkeiten, zum Beispiel Wasser oder Trinkwasser, Toiletten, Feuerstellen oder eben Handyempfang, an den Plätzen vorhanden sind, kannst du in der App Maps.me nach Duschen, Waschsalons, Wasserstellen und eben auch allen Recreation Sites und Provincial Parks suchen. 

 

Wikicamps ist eine kostenpflichtige App, allerdings ist diese mit ca. 3,00 € absolut ihr Geld wert. Für die Benutzung sind keine Downloads notwendig. Online bekommst du mit Wikicamps sogar zu den einzelnen Plätzen nicht nur die Preise (bei Campingplätzen oder Provincial Parks), sondern auch Erfahrungsberichte von anderen (zum Beispiel bei Walmart Parkplätzen). Was mir an Wikicamps außerdem gut gefällt ist, dass Wikicamps dir auch anzeigt, ob du den gewünschten Platz mit einem Auto erreichen kannst (manche Plätze sind nur zu Fuß erreichbar, wenn du also in deinem Auto schlafen möchtest sind diese Plätze für dich leider unbrauchbar) und ob der Weg zu dem Platz asphaltiert oder ein Schotterweg ist. Maps.me hingegen ist kostenfrei, allerdings musst du hier die Provinzen in denen du vorhast zu reisen erst einmal als Datensatz runterladen. Das dauert aber nicht lange und benötigt auch kaum Speicherplatz, sodass du mit den beiden Apps hervorragend ausgestattet bist. 

 

Auf Vancouver Island ist das Wildcampen vor allem im Süden seit dem Sommer 2018 schwierig geworden. Da es hier zahllose geeignete und ebenso wunderschöne Plätze zum Wildcampen gibt hat die Anzahl von Wildcampern extrem zugenommen. Leider wurden alle Plätze nicht nur von einer riesigen Menge an Wildcampern belagert, sondern dazu auch noch den ganzen Sommer über, sodass die Provinz British Columbia an fast allen schönen Plätzen Schilder mit Verboten angebracht hat. Außerdem wurde auf vielen Recreation Sites ein „Host“ eingesetzt, da man auf den kostenlosen Campingplätzen eigentlich nur 14 Tage in Folge bleiben darf. Da das aber leider von vielen ausgenutzt worden ist sind viele Plätze nun kostenpflichtig (ca. $10,00-15,00 pro Nacht) geworden oder zu „Day Use Areas“ umgewandelt worden. Im Norden Vancouver Islands sieht das schon wieder etwas anders aus, hier findest du leichter einen kostenlosen Campingplatz. Stell dich hier aber darauf ein, dass du auch hin und wieder für deinen Schlafplatz eine Gebühr bezahlen musst. 

 

 

Welche Recreation Sites kostenpflichtig sind verrät dir die Internetseite www.sitesandtrailsbc.ca und auch die App WikiCamps, allerdings nur mit einer Internetverbindung. Wenn du nur auf der Suche nach einem Schlafplatz bist kann ich dir auch die App iOverlander empfehlen. Dort findest du ebenfalls mithilfe der GPS Ortung alles Mögliche in deiner Nähe, von Rastplätzen, über Duschen oder eben auch Recreation Sites. Die App gibt dir auch Angaben über eher unkonventionelle Schlaforte, wie Ausfahrten zum See an denen Einheimische tagsüber Angeln gehen. 

 

 

Als Abschluss hier noch ein paar Tipps die ich dir mit auf den Wildcamper-Weg geben möchte:

 

 

  • Schlaf nie an einem Ort an dem du ein komisches Gefühl hast
  • Verlass dich nicht darauf, dass man irgendwo „overnight parken“ kann nur weil dort andere RV‘s oder „Campervans“ stehen (die können nämlich noch spät abends wegfahren, die Erfahrung mussten wir auch schon machen)
  • Wenn du einen Schlafplatz gefunden hast bleib dort, es gibt nichts stressigeres als in der Dunkelheit stundenlang einen geeigneten Platz zu suchen
  • Frag lieber vorher bei Parkplätzen von Geschäften in der Filiale nach ob das Parken gestattet ist, manchmal ist es trotz Verbotsschildern erlaubt oder umgekehrt trotz fehlender Schilder nicht erlaubt
  • Schlaf in Wohngebieten oder stark befahrenen Gegenden nicht bis mittags aus, wir sind beispielsweise in Banff um 9.00 Uhr von einem Peace Officer weggeschickt worden, obwohl wir zu dem Zeitpunkt schon wach waren
  • Statte deinen Campervan mit blickdichten, dunklen und unauffälligen Vorhängen aus, sodass man dir nicht beim Schlafen zugucken kann
  • Räum den Fahrerraum vor dem Schlafengehen auf, sodass man nicht auf den ersten Blick sieht, dass dein Campervan zum Übernachten dient
  • Versuch an sonnigen Tagen so zu parken, dass dein Wagen bei Sonnenaufgang im Schatten steht, es wird sonst schnell unangenehm warm 
  • Besorg dir für den Sommer zumindest eine silberne Abdeckung für die Frontscheibe um den Wagen auch bei Sonnenschein kühl zu halten wenn du an Orten schläfst an denen das Campen erlaubt ist
  • achte darauf, dass du deinen Schlafplatz auf einem ebenen Grund aussuchst, das kann sonst zu unschönen Verspannungen führen

 

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