· 

Roadtrip in die Nord West Territorien

Als wir die Idee hatten in die Nord West Territorien zu fahren haben wir das erste Mal auf unserer Reise ernsthafte Recherchen angestellt. In unserer Vorstellung gibt es da oben nämlich nicht allzu viele Highways oder Tankstellen- und diese hat sich absolut bewahrheitet.

Die vorbereitung

Als erstes solltest du dir ernsthaft Gedanken darüber machen ob dein Fahrzeug für eine Reise in die nördliche Wildnis Kanadas geeignet ist. Wir haben die Reise (leider) mit einem 2011er Dodge Grand Caravan mit aufgezogenen M+S 225-65R16 Reifen und Frontantrieb  angetreten. Empfehlen würde ich das absolut keinem mehr. Ein Allradantrieb und wesentlich gröbere Reifen würden deinen Roadtrip nicht nur wesentlich angenehmer, sondern auch sicherer gestalten. Mit einem Minivan schafft man es zwar durchaus da hoch und wieder zurück, allerdings mussten wir danach die vorderen Reifen wechseln weil das Profil nach knapp 2.000 km komplett abgefahren war. 

 

Daher mein erster Tipp: ein kompaktes und robustes Auto mit Allradantrieb und vernünftigen Reifen die sich für Off-Road-Strecken eignen. Es muss sicherlich kein Overlander-Fahrzeug sein wenn du nur nach Yellowknife fahren möchtest. Wenn du aber weiter in die Wildnis oder bestimmte (nicht asphaltierte oder Off-Road-) Straßen fahren möchtest ist ein Minivan vielleicht auch nicht die beste Wahl. 

 

Wenn du dir sicher bist, dass dein fahrbarer Untersatz deinen Roadtrip mitmacht kannst du dir nun überlegen wie weit du in den Norden hochfahren möchtest. Wir sind „nur“ über den Highway 1 und 3 bis Yellowknife hoch und haben dann auf dem Rückweg bei der Abzweigung kurz vor dem MacKenzie River auf den Highway 7 nach British Columbia gewechselt. Was wir vorher nicht wussten: der Highway 7 ist in dem Abschnitt in den Nord West Territorien nicht asphaltiert. Erst ca. 15 km nach Fort Liard, und damit wieder in British Columbia in den Highway 97 wechselt, ist der Highway wieder asphaltiert und angenehm zu fahren. Bis dahin wirst du dich auf ca. 800 km Schotterweg mit teilweise brutalen Löchern und einer Menge Staub einstellen müssen. Hier haben wir wieder einen enormen Fehler gemacht. Während wir den zweiten Abschnitt dieses Highways gefahren sind um nach British Columbia zu kommen war es dort bereits im Mai über 30°C warm, sodass wir die Fenster aufgemacht haben. Als sich der ganze Staub dann von der Straße in unser Auto und auf unsere gesamte „Einrichtung“ festgesetzt hat kamen wir dann noch auf die glorreiche Idee die Klimaanlage auf höchster Stufe einzustellen. Das Ergebnis nach ca. 3 Stunden Fahrt auf dem Schotterweg war, dass nicht nur wir weiß vor Staub waren, sondern auch das gesamte Auto inklusive jeder kleinen Ritze. Dass wir uns in Fort Liard dann noch einen Nagel im Reifen eingefangen haben und wie lange es gedauert hat bis der Wagen wieder einigermaßen sauber war ist eine andere Geschichte. 

 

Fort Liard ist einer der wenigen Orte an dem Highway 7, den ich dir aber zu besuchen empfehle, da es in Fort Liard neben einer Tankstelle, einem Supermarkt und anderen wichtigen Läden auch „Hot Springs“ und einen kostenlosen Campingplatz am See mit kostenlosem Trinkwasser gibt. 

 

Wenn du vorhast dich einige Tage im Norden aufzuhalten empfehle ich dir dich auch über die hier heimische Tierwelt zu informieren. Einige Infos kannst du dir hier bereits abholen. Die Kennzeichen hier haben die Form eines Polarbären, da diese im Norden der Nord West Territorien zuhause sind. Wenn du also weiter nördlich als Yellowknife fahren möchtest kannst du diese hier vermutlich sehen.

 

Also zurück zu deiner Planung: informier dich über die Straßenverhältnisse. Der Highway 1 und 3 ist in der gesamten Länge asphaltiert, sodass du diesen über Grande Prairie und High Level, Alberta, aus sorgenfrei hoch nach Yellowknife fahren kannst. Hin und wieder sind auf dem Highway 3 einige wenige Meter breite Stellen mit „lose gravel“, also losen kleinen Steinen, „geflickt“. Wenn du hier aber vorsichtig und langsam fährst wird dein Auto keinen Schaden nehmen. 

 

 

Worüber du dich vor allem in der Sommerzeit außerdem informieren solltest sind Waldbrände auf dem Weg nach Yellowknife. Als wir unterwegs waren mussten wir einige Umwege nehmen da zu der Zeit in High Level ein großer Waldbrand gewütet hat und deswegen der Haupthighway geschlossen und die Stadt High Level evakuiert worden ist. High Level ist ein wichtiger Stop auf dem deinem Weg nach Yellowknife. Hier wirst du vermutlich dringend tanken müssen. Wir hatten Glück im Unglück, durch die Sperrung des Highways mussten wir einen Umweg über den kleinen Ort La Crete nehmen, wo wir dann vollgetankt haben. Ansonsten hätten wir durch die Evakuierung High Levels ein Problem bekommen. Also mein wichtigster Tipp an der Stelle: tank bei jeder Tankstelle voll. Dass du unterwegs keine Handynetzabdeckung haben wirst um im Notfall die CAA anzurufen versteht sich von selbst, oder?

Tankstellen

Wenn du aus Grande Prairie, Alberta fährst, wirst du die nachfolgende Aufstellung aller Tankstellen beachten müssen:

 

Enterprise, 273 km von High Level entfernt, aktuell geschlossen:

Enterprise ist eine kleine Gemeinschaft auf dem Weg nach Yellowknife auf dem MacKenzie Highway (Highway 1) bei der Kreuzung an der man nach Hay River abbiegen kann. Die Tankstelle hier hat aktuell geschlossen, sodass du dich hier nicht tanken können wirst. 

 

Hay River, 312 km von High Level entfernt:

Die an dem Great Slave Lake gelegene kleine Gemeinschaft hat eine Zapfsäule an der du deinen Benzinvorrat wieder auffüllen kannst. Um nach Hay River zu kommen musst du einen Umweg auf deiner Route nach Yellowknife fahren, wenn du aber dringend tanken musst ist das deine einzige Chance.

 

Fort Providence, 141 km von Enterprise, 414 km von High Level entfernt: 

Hier findest du nicht nur eine Tankstelle, sondern kurz nach der Überquerung der MacKenzie Bridge auch ein kleines Restaurant, Toiletten und Duschen für $7,00 in einem kleinen Häuschen am See. Die Tankstelle hat außerdem WLAN und verkauft Kaffee. Hinter dem Häuschen ist ein Zugang zum MacKenzie River  mit einigen Picknick Tischen, ein ziemlich guter Platz um eine Pause zu machen. Achtung: die Tankstelle hat nur bis 22.00 Uhr geöffnet und man kann hier nicht, wie sonst üblich, an den Zapfsäulen zahlen, sondern muss nach dem Tanken bei dem Kassierer bezahlen. 

 

Behchoko, 230 km von Fort Providence entfernt:

Von hier aus sind es noch 90 km bis Yellowknife wo du neben etlichen Tankstellen auch einen Walmart, einen Independent Grocer, Tim Hortons und co. finden wirst. Sollte dein Tank hierfür nicht ausreichen kannst du die Ausfahrt vom Highway ab nach Behchoko nehmen. Der kleine Ort liegt 10 km vom Highway entfernt und hat eine kleine Zapfsäule. 

 

Yellowknife, 315 km von Fort Providence entfernt:

Yellowknife ist die größte und einzige größere Stadt in den Nord West Territorien. Hier kannst du wieder wie gewohnt einkaufen und tanken. 

 

 

Die Angaben sind chronologisch, sodass du die Orte in umgekehrter Reihenfolge beachten musst wenn du nach Süden fährst.

 

Nord West Territorien

Die Landschaft in den Nord West Territorien ist wunderschön und erinnert etwas an Skandinavien. Wenn du in dem Zeitraum von Oktober bis April Yellowknife besuchst und der Himmel klar ist hast du hier übrigens super Chancen die Polarlichter zu sehen. Yellowknife ist bekannt dafür eine der besten Plätze auf der Welt zu sein an denen man diese sehen kann.

 

Rein theoretisch „gibt“ es die Polarlichter das ganze Jahr über, allerdings kann man diese nur dann mit dem bloßen Auge sehen wenn es dunkel ist. Und das ist das Stichwort: in den Sommermonaten wird es im „Land der Mitternachtssonne“ nicht wirklich bis gar nicht dunkel. Selbst um 3.00 Uhr morgens war es noch nicht dunkel, sodass wir entschieden haben nicht weiter zu warten. Der 24.06. war im Jahr 2019 der längste Tag des Jahres. An diesem Tag war es 24 Stunden lang hell. Bedenke dies also ebenfalls wenn du vorhast Yellowknife in den Sommermonaten zu besuchen. 

 

In den Nord West Territorien leben grad einmal ca. 43.000 Menschen und die Hälfte davon in Yellowknife. Du wirst auf deinem Roadtrip also auf sehr viel unbesiedeltes Land und sehr viel Ruhe und Einsamkeit stoßen, was auch die Suche nach einem geeigneten Platz zum Schlafen relativ entspannt macht. Du kannst quasi an jeder Raststelle einfach rausfahren und es dir da gemütlich machen. Hier lohnt es sich auch wieder einen Blick in die Apps iOverlander und WikiCamps zu werfen, da in den Nord West Territorien etliche Straßen direkt zu einsamen Plätzchen an Seen führen. Unterwegs gibt es aber auch hin und wieder Campingplätze und kleine Provincial Parks an denen man eine Pause machen oder eben auch übernachten kann. Auf den Campingplätze die an dem Highway liegen musst du dich selber registrieren. Hier arbeitet kein Aufseher oder Ähnliches. 

 

Die wichtigsten Punkte im Überblick sind also:

  • Eine zu deinem Fahrzeug geeignete Route 
  • Aktuelle Information über die Straßen und Waldbrände
  • Deine Tankfüllung im Auge behalten
  • Für genügend Vorräte an Bord sorgen

 

Dann kann eigentlich nichts mehr schief gehen. In den Nord West Territorien gibt es neben Yellowknife und Fort Liard auch noch den Ort Fort Simpson den man gut besuchen kann. Fort Simpson ist über eine Abzweigung von dem Highway 7 durch eine ca. 230 km lange Fahrt und eine kurze Fährenfahrt erreichbar. Der Norden Kanadas ist für Off-Road-Freunde und Overlander ein riesen Abenteuerspielplatz. Wer also keine Lust auf überteuerte und überfüllte Touristenattraktionen hat und einfach nur die pure Natur genießen möchte kommt an den Nord West Territorien und dem Yukon nicht vorbei. 

 

 

Der in den Nord West Territorien gelegene Nahanni Nationalpark ist übrigens nicht mit dem Auto zu erreichen. Wenn du hier einen Besuch planst hast du nur die Möglichkeit hineinzuwandern, dich einfliegen zu lassen oder mit einem Boot reinzupaddeln. Außerdem ist der Wood Buffallo Nationalpark auch zu empfehlen, da dieser im Norden Albertas und damit nahe der Grenze zu den Nord West Territorien liegt. Diesen kann man also entweder auf dem Hin- oder Rückweg in seinen Roadtrip einbauen. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0